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Viele Deutsche sind zu dick und zugleich eifrige Internetnutzer. Kein Wunder also, dass spezielle Portale zum Abnehmen wie Pilze im World Wide Web sprießen. Nach unserem Test können wir sagen: Die meisten Programme beachten wichtige, zum Abspecken nötige Eckpunkte, bei der Umsetzung hapert es allerdings. Dr. Christiana Gerbracht, Leiterin des Ernährungsberatungszentrums im Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rebrücke (DIfE), sieht Gewichtsreduktionsprogramme im Internet durchaus als sinnvolle Alternative zu Einzelberatung, Gruppenprogramm oder Fachbuch. "Das ist eine Typfrage", erklärt die Wissenschaftlerin. "Nicht jeder ist fähig, sich in der Gruppe oder in der Einzelberatung zu öffnen." "Eine extrem hohe Motivation ist aber bei jeder Art Gewichtsabnahme notwendig", so die Expertin. Im Programm von xx-well.com nutzen vor allem Frauen (85 bis 95 Prozent) zwischen 30 und 49 Jahren die Onlinediät. 41 Prozent wollen zwischen sechs und zehn Kilo abnehmen, immerhin 25 Prozent 16 bis 20 Kilo. 34 Prozent der Frauen und sieben Prozent der Männer haben eigentlich ein normales Gewicht, wollen aber das eine oder andere Kilo loswerden, um schlanker und schöner zu sein. Bei Lean-and-Healthy sind die Frauen im Durchschnitt 41, Männer 46 Jahre alt. Letztere machen einen Anteil von zirka 15 Prozent aus. Ihnen liegt es ganz besonders, aus der Deckung heraus anonym zu stöbern.
Weitere Gründe für Internetdiäten sind zeitliche und räumliche Flexibilität. Die Diätsurfer wollen selbstbestimmt handeln und doch nicht allein sein. In der Regel halten sie auch nichts von Gruppentreffen. So wie Dörte Fritsch (Name von der Redaktion geändert), die ganz klar sagt, dass ihr Körper und die Diät nur sie selbst etwas angehen. 30 Kilogramm hat sie mit dem Onlineprogramm von WeightWatchers abgenommen. Dann stagnierte das Gewicht monatelang. Sie war ehrgeizig, wollte weiter runter, sparte und sparte Points, bis der Frust kam und das ständige Hungergefühl zu stark wurde. Der Wunsch nach Essen wuchs und wuchs. Nach und nach nahm sie wieder zu.
Langsam zwar, aber beständig. Wie Dörte Fritsch geht es vielen stark Übergewichtigen. Hoch motiviert specken sie ab, werden rückfällig und sind irgendwann wieder da, wo sie einst angefangen haben oder sogar noch dicker. Bedauerlicherweise sind die Erfolgsquoten für eine dauerhafte Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion langfristig betrachtet recht niedrig. Von langfristig sprechen die Experten ab einem Zeitraum von einem Jahr und mehr.
Auf 15 bis 25 Prozent schätzt Professor Hans Hauner, Experte für Übergewicht und ernährungsmitbedingte Krankheiten am Zentrum für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München, die langfristigen Erfolgsquoten ein. Zudem gelten diese Zahlen nur für Diäten mit ganzheitlichem Konzept und guter Betreuung. Crashdiäten, da sind sich alle Experten einig, schaden mehr als dass sie nützen, weil sie zum Jo-Jo-Effekt führen: Man nimmt schnell ab, nach Diätende aber umso schneller wieder zu. Egal ob man an Fett oder an Kohlenhydraten spart, Kohlenhydrate und Eiweiß trennt oder nach glykämischem Index auswählt: Letztendlich gibt es zwar immer neue Trends, doch auf eine Wunderdiät warten alle Betroffenen weiter vergeblich.
Wir haben jetzt 17 Internetprogramme von der Diätexpertin und Ernährungsmedizinerin Dr. Dagmar Hauner und zwei weiteren fachlich versierten Testpersonen unter die Lupe nehmen und auf einen umfangreichen Kriterienkatalog hin prüfen lassen. Alle sind von Fachleuten konzipiert bzw. betreut und werben damit, die Empfehlungen anerkannter Fachgesellschaften wie beispielsweise der Deutschen Adipositas-Gesellschaft zu berücksichtigen.
Das Testergebnis
Die Programme arbeiten nach unterschiedlichen Konzepten. Lean-and-healthy und Slimnet verwenden zum Beispiel ein Punktesystem für empfehlenswerte und nicht empfehlenswerte Lebensmittel, um ein Gefühl für Portionsgrößen zu vermitteln. Die Lebensmittelpyramide dient zur Verdeutlichung der Punktevergabe. Auch WeightWatchers und Nutropoly haben ein eigenes Punktesystem.
Kalorien werden weiterhin bei xx-well-com, Brigitte-Diät-Coach, Aiqum, E-balance und anderen gezählt. Durch das Nachkochen der angebotenen Tagespläne gewöhnt man sich bei dieser Methode an die Portionsgrößen. Programme wie MyDiet und Novafeel und andere wollen ganz bewusst keine Kalorien zählen, sondern fordern den Nutzer auf, sich selbst eine individuelle, gesunde Ernährung zusammenzustellen. Über das Feedback der geführten Ernährungsprotokolle soll sich die Kost verbessern. Gefährliche oder gesundheitsschädliche Empfehlungen haben die Testpersonen nicht gelesen, die meisten Programme waren ganzheitlich angelegt und behandelten die drei wichtigen Säulen Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung.
Allerdings existieren bei der Informationsvermittlung sowie -aufbereitung immense Unterschiede zwischen den verschiedenen Anbietern. Die beste oder die schlechteste Diät gibt es aber dennoch nicht. Schon deshalb, weil "jeder Jeck anders ist", wie man in Köln so schön sagt. Womit der eine problemlos zurechtkommt, das liegt dem anderen überhaupt nicht.
Deshalb geben wir einen Überblick über die Prinzipien der verschiedenen Anbieter und teilen Ihnen positive und negative Eindrücke und Einschätzungen der fachlich versierten Testpersonen mit. Ein Gesamturteil wurde dieses Mal nicht vergeben.
Das Besondere im Internet
- Aufgrund des persönlichen Profils wird ein individuelles Diät-, Bewegungs- und Verhaltensprogramm entwickelt.
- Täglich oder wöchentlich erhalten die Teilnehmer Rezeptpläne entsprechend der gewünschten Kalorienzahl oder stellen sich ihre Ernährung selbst anhand von Empfehlungen zusammen.
- Durch E-Mails oder Magazinbeiträge auf den Seiten erhalten die Teilnehmer Informationen zu Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung.
- Es erfolgt ein Feedback über die Gewichtsentwicklung, zum Beispiel mit der Empfehlung, nicht so schnell abzunehmen, oder Fragen und möglichen Ursachen, warum das Gewicht gerade stagniert.
- Teilnehmer können sich per E-Mail mit Fragen an Experten wenden, im Forum mit anderen Mitgliedern austauschen oder auch nur deren Beiträge lesen.
Checkliste Internetdiät
- Seriöse Anbieter fragen schon bei der Anmeldung bestimmte Kriterien wie Alter, Körpergröße, Gewicht und Krankheiten ab, um gesundheitliche Risiken auszuschließen.
- Empfehlenswert ist es, nicht mehr als ein halbes bis ein Kilogramm pro Woche abzunehmen. Je mehr Kilos runter müssen, desto mehr Geduld ist gefragt. Oft kommt es zu Phasen, in denen die Gewichtsabnahme stagniert. In einem Jahr sind fünf bis zehn Kilo Gewichtsverlust realistisch. Bei überzogenen Abnahmewünschen sollte der Diätcoach sein Veto einlegen.
- Neben der Ernährungsumstellung sollten immer auch Bewegung und eine Verhaltensänderung thematisiert sein.
- Fachleute wie Ernährungs- und Sportwissenschaftler, Mediziner und/oder Diätassistenten haben das Programm entwickelt, begleiten es und beantworten gegebenenfalls Fragen.
- Das Programm ist langfristig angelegt und bezieht individuelle Vorlieben des Teilnehmers mit ein. Wenn es nicht schmeckt, sind die guten Vorsätze schnell wieder über Bord geworfen. Ziel muss es sein, eine für den jeweiligen Teilnehmer leckere und bedarfsgerechte Ernährung einzuüben.
- Werbung für Produkte hat in einem bezahlten Programm nichts zu suchen.
Methode
Jedes Programm wurde von drei Testpersonen unabhängig und selbstständig nach einem Kriterienkatalog geprüft. Die Testpersonen schrieben sich in jedes Programm ein und gaben stets das gleiche (erhöhte) Körpergewicht an. Die inhaltliche Bewertung der Programme orientierte sich an der derzeit gültigen evidenzbasierten Leitlinie zur Prävention und Behandlung von Adipositas, die gemeinsam von vier Fachgesellschaften (Deutsche Adipositas-Gesellschaft, Deutsche Diabetes-Gesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin) herausgegeben wird. Die Endbeurteilung erfolgte jeweils im Konsens der drei Personen. ÖKO-TEST Verlag GmbH, Frankfurt • www.oekotest.de
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